Ich weiss, was Du denkst
„Wie macht der das?“ Eine Frage, die in Zeiten eines „Next Uri Gellers“ und den modernen „Mentalisten“ immer wieder fällt. Scheinbar unverständlich, wie durch bloßes in die Augen schauen, Händchen halten und Fragen stellen die Gedanken des Gegenübers gelesen werden. Dass es sich hierbei nicht um Magie handelt, auch wenn der ein oder andere sich eines Raben bedient, sollte jedem einzelnen bewusst sein. Spätestens beim Lesen des Buches von Thorsten Havener wird es das. Sehr leichtfüßig und amüsant vermittelt der Diplom – Dolmetscher, was es mit den Fähigkeiten auf sich hat, Dank derer er sein Geld verdient. Eindrucksvoll ist dabei sein Weg vom Hobbymagier als Kind und Jugendlicher über den aufmerksamen menschenbeobachtenden Dolmetscher zum professionellen Mentalisten.
Dass sein Beruf keine Gabe Gottes, sondern erlern- und trainierbar ist, zeigt Thorsten Havener mit Hilfe vieler eindrucksvoller Experimente zum Nachahmen. Diese selbst auszuprobieren macht nicht nur viel Freude, es sorgt auch für eine Reihe von verblüffenden Ergebnissen – auch oder gerade im Freudens- und Bekanntenkreis. Und einer wichtigen Erkenntnis. Gedanken müssen „gelesen“ werden. Das heißt, lesen was da steht. In dem Falle beim oder im Gegenüber. Und wie viel jeder einzelne preisgibt, ohne das man es selbst mitbekommt, wird sowohl beim Lesen des Buches, als auch beim Experimentieren und alltäglichen Anwenden bewusst. Es ist teilweise eine verblüffende bisweilen erschreckende Erkenntnis und lässt einen nachdenklich werden. Damit ist das Buch des Wahlmüncheners in zweiter Linie auch ein psychologisches und soziologisches Werk, das hilft, die eigene Wahrnehmung für die Welt um einen herum zu schärfen. Vielleicht auch die ein oder andere Änderung in seinem Verhalten vorzunehmen. Denn wer lesen kann, kann dies auch nutzen. „Ich weiß, was du denkst“ – Ein (Alb-)Traum für das Miteinander?!
[Michael Lauko]
