Type Magazine: Löwenstarke Führung - Heinrich der Löwe

Löwenstarke Führung - Heinrich der Löwe

Joachim Ehlers – emeritierter Professor für Mittelalterliche Geschichte – hat sich mit Heinrich dem Löwen einen der mächtigsten Fürsten des deutschen Mittelalters zum Gegenstand für die vorliegende Biographie gewählt. Seine ungewöhnliche Machtfülle und sein daraus resultierendes Selbstverständnis rückten Heinrich den Löwen zeit seiner Herrschaft in eine Position zwischen Kaiser und die übrigen Reichsfürsten. Aus dieser Stellung zwischen allen Stühlen und seinem eigenen Selbstbild als Herrscher von europäischem Rang speist sich der Spannungsbogen seiner Biographie bis zum letztendlichen Scheitern an den eigenen Ambitionen.

Ehlers zeichnet dieses an herausragenden Ereignissen nicht arme Leben Heinrichs akribisch und immer anhand der überlieferten Quellen nach. Im Schwerpunkt stehen dabei die literarischen Quellen aber vor allem auch die zahlreichen erhaltenen Urkunden Heinrichs. Auf die bei der Auswertung solcher mittelalterlichen Quellen bestehenden Schwierigkeiten geht er dabei ausführlich ein, ohne jedoch mit allzu ausschweifender Quellenkritik zu langweilen. Dieser lobenswerte Ansatz zieht sich wohltuend durch das gesamte Buch. Langeweile stellt sich beim Lesen nie ein. Ehlers gelingt es trotz zahlreicher Lücken aufgrund nicht vorhandener Quellen den Kahn der Erzählung strikt auf Kurs zu halten. Die für mittelalterliche Geschichte leider so typischen Klippen unseriöses Fabulieren und Assoziieren einerseits und nebensatztriefendes professorales Relativieren andererseits umschifft er dabei gekonnt.

Zum Gewinn wird die Lektüre dieses Buches vor allem jedoch durch die Anreicherung der biographischen Daten Heinrichs des Löwen mit ausführlichen Darstellungen der zu seiner Zeit herrschenden politischen und kulturellen Umstände. Das dabei den meisten Lesern der gelegentliche Griff zum Fachlexikon nicht erspart wird – ein ausführliches Glossar wäre hier sehr hilfreich gewesen – bleibt ein zu verschmerzender Wermutstropfen angesichts der vorliegenden Arbeit.

Trotz dieses positiven Eindrucks muss vor diesem Buch gewarnt werden. Gerade die Fülle an Fachbegriffen die es nachzuschlagen gilt und die Vielzahl an vorgestellten Personen verführen noch tiefer in die Geschichte des Hochmittelalters einzusteigen. Allzu schnell wird man in Versuchung geführt mehr über die Welfen, die Staufer oder die Plantagenets, das komplizierte Verhältnis der deutschen Könige zu Italien oder die französisch-englischen Auseinandersetzungen zu lesen. Und ehe man sich versieht, fährt man nach Braunschweig um den Ausführungen über die architektonischen Hinterlassenschaften Heinrichs des Löwen selbst in Augenschein zu nehmen.

Dieses Buch ist nicht nur eine spannende und gut zu lesende Biographie sondern darüber hinaus für jeden Interessierten ein gelungener Einstieg in die Mittelalterliche Geschichte.

Rezension zu:
Joachim Ehlers: Heinrich der Löwe, München 2008 (Siedler Verlag), 496 Seiten

[Mathias Schmidt]