Type Magazine: Bundesamtsbedenkenträger

Bundesamtsbedenkenträger

So mancher trägt an Lasten schwer
der Arbeit Plagen vor sich her.
Als Mensch darf er ein ganzes Leben
die Welt aus ihren Angeln heben.

Der eine, der muss Möbel tragen
und sich mit krummen Rücken plagen.
Der nächste fiel beim Boxen um
und trägt nun seine Nase krumm.

Auch Kranke legt man auf die Trage.
Erst später trägt man sie im Sarge.
Man trägt, was immer wird gedacht,
man trägt Sorgen, man trägt Tracht.

Verantwortung wiegt auch nicht leicht,
so manchem schon zum Stöhnen reicht.
Dann Zeitendruck und Schichtarbeit –
der Arbeitnehmer hat sie leid.

Selbst wenn es nichts zu tragen gibt,
das deutsche Volk das Klagen liebt.
Mal hat man Arbeit und mal nicht,
doch Jammern das ist Bürgerpflicht.

So stöhnt und ächzt die Arbeitswelt,
weiß kaum noch was sie aufrecht hält.
Bis das an soviel Schwergewicht
ein Atlas selbst zusammenbricht.

Doch in diesem Volk der Trägen
trägt einer sich dem Leid entgegen.
Denn was an Lasten dieser stemmt,
die Mühsal andrer Menschen hemmt.

Der deutsche Michel_graphic: dietzel.

Wo immer Arbeit, Mühen drücken,
erkennt der Held mit List die Tücken.
In Deutschland dient als Seelenpfleger
Dem Volke der Bedenkenträger.

Droht einem Menschen Henkers Strang,
dann wuchert wilder Tatendrang.
Denn Zuversicht zur Zeit der Not
Erfindungsreichtum scheinbar bot.

So hat einstmals vor langen Jahren
ein Mensch, um sich vor Frost zu wahren,
des Feuers Funken angefacht,
hat Wärme sich und Licht gebracht.
Prometheus war des Mannes Name,
ein Ketzer voller Schand’ und Schame,
der bei der Tat hat nicht erwogen,
was sie an Dingen nachgezogen.

Ein Feuer ist zum Schaden gut,
ein Großbrand wird aus kleinster Glut.
Es sorgt, wo sich die Wärme hält,
das Menschen auch der Pelz ausfällt.

Der Manne mag dem noch entgehen,
er muß zur Jagd im Wald rumstehen.
Nur seine Frau, das Höhlenweib,
hat kaum mehr Haare auf dem Leib.

Schnell war’s geschehen, der Schaden da,
so brennen Wälder jedes Jahr.
Selbst Mannes Brust in Pelzes Pracht
wird von den Frauen heut verlacht.

Die Strafe folgte auf dem Fuße,
Erfinder fesselt man zur Buße,
dass Vögel dran zu fressen hätten,
an Felsen fest mit starken Ketten.

Auch Prometheus dies Schicksal traf,
dass man ihn an die Steine warf.
Er spürt, von Schlägern übermannt,
Bedenkenträgers harte Hand.

Als dann der Mensch das Rad erfand,
hat einer die Gefahr erkannt:
Noch keine Kenntnis hätt’ zur Zeit
man über die Geschwindigkeit.

Dass doch so rasch und reibungsfrei,
der Schwertransport ein Unding sei
Das keiner sich dabei was dächte,
was das an Folgen mit sich brächte.

So sei die Sache sehr gefährlich
und, sein wir doch mal alle ehrlich,
entwöhne nur den Fuß vom Boden,
er halte nichts von solchen Moden.

Der Bedenkenträger sich empört,
weil wieder niemand auf ihn hört,
was dazu führt, dass mittlerweile
des Menschen Last ist seine Eile.
Gelebt wird schnell, geliebt wird schneller,
was heut sich küsst, wirft morgen Teller.
Gestorben wird am Herzinfarkt,
allein floriert der Scheidungsmarkt.

Dem warnend Wort das Ohr zu gönnen,
hätt’ alles dies vermeiden können.
Des Kummers Klage kommt zu spät,
hört nächstes Mal, was man Euch rät.

Dann, gar nicht lange ist es her,
erzählt uns eine and’re Mär
vom deutschen Großreformprojekt
in dem so manche Falle steckt.

Man stelle sich nur einmal vor,
wie sich ein Staat zum Ziel erkor,
dass seinen Lebensunterhalt
ein jeder Bürger selber zahlt.

Es müssten Menschen nicht nur wählen,
nein, sich dann mit Sorge quälen,
das eigne Leben selbst zu richten,
nicht nur Rechte, auch noch Pflichten.

Da liegt es sicher auf der Hand,
dass dies nicht geht im Heimatland.
Denn selbst zu regeln führt zum Schluß,
dass niemand sonst es tuen muß.

Wer aber keines Amtes waltet,
hat doch ein Amt, das ihn verwaltet.
Dem einen nutzt die Plackerei,
doch plagt er nicht, verwalten zwei.

Für jede Stelle, die geschaffen,
woanders doppelt Lücken klaffen.
Wenn jeder Mensch in Lohn und Brot,
so wäre dies der Heimat Tod.

Das solche Dinge nicht geschehen
und Menschen sichre Wege gehen,
dafür sorgt, so weiß es jeder,
der Bundesamtsbedenkenträger.

Sei dick die Suppe oder klar,
sein Blick erkennt sofort das Haar.
Auch unterm Bett, geführt vom Schmerze,
entgeht ihm nicht die kleinste Erbse.

Wenn nichts bedrängt die Steuersätze
und nichts des Volkes Ruheplätze,
so dient das alles Volkes Wohl,
so hielt es auch schon Helmut Kohl.

So lobet Freunde, preiset laut,
den, der auf Bedenken baut.
Läßt Du im Herzen Arges wohnen,
die Muße wird Dich dann belohnen.

[Robert Albrecht]